Das Gründungsjahr

Das Jahr 1845 ist in ein Markstein in der Geschichte des Feuerlöschwesens der Stadt Basel. Es bedeutet einen völligen Bruch zwischen heilloser Verwirrung und Ratlosigkeit vergangener Jahrhunderte und zielbewusster Feuerbekämpfung der Neuzeit. Eine Anzahl einsichtsvoller Männer hatten sich zusammengefunden, als bei einem grossen Brand vor dem Riehentor auf dem Gute von Ratsherr R. Hübscher-Falkner in der Nacht vom 03. auf den 04. Juli 1845 -- wobei sämtliche Gebäude abbrannten und drei Hilfsleistende schwer verletzt wurden -- die ganze Feuerlöschordnung kläglich versagte. Die mangelhaften Vorkehren waren schuld, dass der Brand in der Stadt lange nicht bemerkt wurde, denn der Feuer-Wächter auf dem Münsterturm hatte zwei Stunden lang süss geschlafen. Die Männer beschlossen die Bildung eines Pompierkorps nach dem Muster elsässischer Fabrikstätte. Trotz anfänglicher Zurückhaltung, Misstrauen und ungnädiger Stimmung seitens der Behörden, liess sich der Zug der Zeit nicht aufhalten und das Korps widerstand allen bürokratischen Hemmungen, um das zu werden, was es heute ist. In der Folge ergaben sich aber Punkte, die nicht im Programm des Pompierkorps zu lösen waren. Ferdinand Duthaler versammelte daher 21 Kameraden, um sich zur Gründung eines «Pompiervereins» der grösseren Stadt Basel zusammenzufinden, nachdem bereits früher ein solcher in der «minderen Stadt»(Klein-Basel) gegründet worden war. Der junge Verein, tatkräftig und in dankenswerter Weise unterstützt von Hptm. Müller-Hauser (Kdt. 1845 - 1864), Ratsherr Ryhner, Präsident der «Basler Löschanstalt» und Oblt. Bart, Feuerwehr-Instruktor, erstrebten folgende Ziele:

  • Unterstützung der durch Brandunfall betroffenen Mitglieder Förderung der ausserdienstlichen Tätigkeit auf dem Gebiet des Feuerwehr- und des Rettungswesens
  • durch fachtechnische Instruktionsvorträge.
  • Austausch von Erfahrungen und Beobachtungen, Exkursionen und Besichtigungen

Die Gründung

Der Feuerwehrverein Basel Stadt wurde am 22. Juli 1854 in der Gründungsversammlung im Wirtshaus des Sgt. Rudolf Weniger «Auf'm Markt» (wo sich heute das Schuh Haus Bata befindet) als «Pompierverein der grösseren Stadt» aus der Taufe gehoben. Dieses Datum ist also das Geburtsdatum des heutigen Feuerwehrvereins Basel Stadt. Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

 

Präsident
Kpl. Duthaler Ferdinand
Kassier und Schreiber
Pomp. Brolli Franz
BeisitzerKpl.
Schaffner Heinrich
BeisitzerPomp.
Kündig Philipp

 

In dieser ersten Versammlung fiel bereits die Anregung zu einer engeren Verbindung mit dem «Pompierverein der minderen Stadt» (Klein-Basel) als einem «Pompierverein der Stadt Basel in zwei Abteilungen». An jenen wurde dieserhalb eine Einladung gerichtet, doch -- gut Ding will Weile haben -- er stieg nicht darauf ein. Sein Antwortschreiben wurde in der Versammlung vom 16. September behandelt und man beschloss, «dass die beiden Pompiervereine in freundschaftlicher Beziehung zu einander verbleiben sollen und einstweilen jeder seine eigene Arbeit verfolge». Den Ereignissen vorgreifend: Im Jahre 1869 löste sich der Pompierverein der minderen Stadt auf, d.h. er änderte seinen Daseinszweck, indem er sich zur «Beerdigungs-Gesellschaft des Sapeur-Pompierskorps» umwandelte. Diese machten es sich zur Aufgabe, der Bestattung eines Feuerwehrkameraden ein würdiges Gepräge zu geben, indem sie u.a. auch die sog. «Leichenträger » stellten. Der Sarg des Verstorbenen wurde damals von vier Kameraden nach der heute nicht mehr existierenden Friedhöfen Elisabethen, Spalen oder Rosenthal getragen. Die meisten Mitglieder dieser Gesellschaft schlossen sich aber gleichzeitig dem Pompierverein der grösseren Stadt an, und deren erster Präsident ist identisch mit dem späteren Präsidenten des Pompiervereins Basel Oblt. Sigg J. 1878/79. Die Beerdigungsgesellschaft bestand etwa 8 Jahre.

Die ersten Statuten

Am 29. Juli 1854 wurde ein Statutenentwurf behandelt, um in der nächstfolgenden Sitzung in Kraft gesetzt zu werden. Die Anregung, die Statuten sollten bei den Mitgliedern zirkulieren, beliebte aber nicht und so wurden sie denn «an der Wand aufgehenkt». In der Sitzung vom 16. September 1854 wurde es als nötig erachtet, «eine Liste von sämtlichen Pompiers mit Hausnummern im Lokal aufzuhenken», unter der Obhut des Mitgliedes Fourier Schaub, welchem die Wohnungsänderungen anzuzeigen sind. Jedes Mitglied soll die Wohnungen und Glocken der Pompiers genau ins Gedächtnis fassen.

  • Den am Wege wohnenden Pompiers einen Brand anzeigen, nur nach Läuten und zwar dreimal festangezogen mit zwei kleinen Pausen, ohne sich aufzuhalten (Weckerlinie).
  • Bei Bränden weiter als eine Viertelstunde ausser der Stadt sollte sogleich für zwei Pferde gesorgt werden, welche sich in der Nähe befinden oder zur Beförderung der Mannschaft am dienlichsten sind.
  • Einem zirka eine Stunde von der Stadt entfernten Brande soll das Pompierkorps gehalten sein, Hülfe zu leisten.
  • Ob es nicht zweckmässig und möglich wäre, ein Sprützlein mit allen Bestandteilen nur von kleiner Konstruktion im Lokal anzuschaffen?
  • Theorien im Lokal zeitweilen ein- oder zweimal monatlich unter Leitung von Mitgliedern des Vereins einzuführen. Instruktion im Magazin abzuhalten im Frühjahr und im Spätjahr je mehrere Sonntage morgens 10 Uhr.

Es muss bei den anfänglichen Vereinsversammlungen sehr lebhaft zugegangen sein, denn Präsident Duthaler liess noch im Gründungsjahr eine sehr energische Mahnung zur Ordnung und Ruhe an die Mitglieder vom Stapel. Er schloss mit der Drohung: «Ich erwarte, dass ein widriges, störendes Benehmen sich nicht wiederhole, sonst bin ich hinsichtlich meiner Gesundheit gezwungen, das Amt als Präsident sofort niederzulegen». (Es wurde offenbar viel zu viel unnütz «geschnörrt»).

Die Startjahre

Zur Pflege der Geselligkeit war ein alljährliches «Pompier-Essen» vorgesehen, wozu die Vereinskasse jeweils einen Beitrag an die Kosten übernahm. Erstmals wurde es am 24. Juni 1855 in Liestal (!) durchgeführt und von 41 Mitgliedern und 18 Gästen besucht. Zum nächstfolgenden «Lachs- Essen», das in Gemeinschaft mit dem «Pompierkorps der minderen Stadt» in Klein-Hüningen durchgeführt wurde, erschienen 107 Teilnehmer. Es war beschlossen worden, «dass keinem Mitglied bewilligt sei, einen Gast mitzubringen, damit die Anzahl nicht zu gross werde». Am 5. Februar 1856 hatte der Verein seinen ersten Todesfall unter den Mitgliedern. Es heisst wörtlich im Protokollbuch, was einer gewissen Komik nicht ganz ermangelt: Den 5. Februar 1856 wurde Sgt. Weniger Rudolf in das bessere Jenseits abberufen und nach § 5 der Statuten am 7. Februar begraben (!), wobei 12 Unteroffiziere und Korporale das Leid und Geleit neben dem Leichenwagen führte. Sein Nachfolger (als Lokalwirt) wurde Lt. Silbernagel J.J., der aber die Wirtschaft nach knapp einem Jahr an den neuen Wirt Jehl übergab, der sie dann unter dem Namen «Café Jehl» weiterführte.

1857 wurde eine Liedersammlung in 300 Exemplare gedruckt, wovon einstweilen 200 Stück eingebunden wurden. Jedes Mitglied des Vereins erhielt ein Buch gratis, die Mitglieder des Pompierkorps zum Preis von 50 Cts. Der Verein zählte 1857, 80 Mitglieder. Das Jahresessen vom 13. September wurde von 109 Teilnehmer besucht, wobei 8 Musiker für den Ohrenschmaus sorgten. Ein Zirkular vom 1. Oktober fordert auf zur Zeichnung von freiwilligen Beiträge für eine zu errichtende Pompiermusik. Es wurden 280 Franken gezeichnet, «welches dem Musikverein zu s.Z. übergeben werden sollen». Mit einem freundschaftlichen Schreiben wurde dieser Beschluss am 30. Januar 1858 ausgeführt.

An der Generalversammlung vom 9. Dezember 1857 trat der verdiente Gründer Fw. Duthaler von seinem Amt als Präsident zurück. An seiner Stelle trat der bisherige Säckelmeister Sgt. Hunziker Rudolf, der das Vereinsschiff mit starker Hand durch kritische Zeiten steuerte. Ihm und seinem Vorgänger sei heute noch ehrend und dankbar gedacht. In der Sitzung vom 4. Dezember 1858 wurde die Kommission (der Vorstand) einstimmig wiedergewählt. Sie setzte sich wie folgt zusammen: Präsident Sgt. Hunziker Rudolf, Kassier Kpl. Brolli F. Beisitzer Lt. Schaub, Sgt. Schaffner, Sgt. Kaeser. In der Sitzung des Vereins vom 7. Juli 1859 wurde ihm zwei Porträts zu Eigentum übergeben: von Major Müller-Hauser als Chef des Pompierkorps und Hptm. Barth als Instruktor; ferner die «Rettungstafel» und ein Transparent, welche Sachen als Saalschmuck Verwendung finden sollten. In der Sitzung vom 20. August 1858 wurde beschlossen, gemeinschaftlich mit dem «Pompierverein der minderen Stadt» an der Schlachtfeier von St. Jakob teilzunehmen. Fast sämtliche Vereine von Basel fanden am 26. August dazu ein. Man ist sich dabei, wahrscheinlich der fehlenden Fahne wegen, etwas ärmlich vorgekommen. Jedenfalls wurde noch im gleichen Jahre auf die Anschaffung eines Banners gedrungen. In der Jahresversammlung vom 3. Dezember 1859 übergab der Vereinspräsident, Fw. Hunziker, dem Verein eine Fahne. Dabei führte er u.a. aus: «Ich habe die Ehre, euch heute eine Vereinsfahne zu übergeben. Sie ist nicht von Seide, noch von Samt, sie ist bloss, was man in der Eile mit gutem Willen beschaffen konnte. Nichtsdestoweniger wird ihr erster Ausgang ein ehrenvoller sein, nämlich: zu dem schönsten Fest der Eidgenossen am 26. August nächstes Jahr; zur Schlachtfeier von St. Jakob an der Birs --», und stolz nahm der Pompierverein mit seiner provisorischen Fahne daran teil.

Namensänderung

Das alljährliche Vereinsessen war bis anhin dem stärkeren Geschlecht vorbehalten gewesen. In der 24. Sitzung vom 8. Juni 1861 fiel der Antrag, auch die «Frauenzimmer» einzuladen, was eine bewegte Diskussion auslöste. In der nachfolgenden Abstimmung wurde der Antrag unmissverständlich abgelehnt. Es blieb also vorläufig noch beim alten Modus. In der Jahresversammlung vom 4. Dezember 1861 unter dem Präsidenten Lt. Schaub Daniel wurde von demselben eine Eingabe von Fw. Hunziker Rudolf mit folgenden drei Anträgen verlesen:

  • Den Verein als «Pompier-Verein Basel» weiterzuführen.
  • Einen Aufruf zur Beteiligung an diesem Verein an das gesamte Korps zu richten, dass jeder Pompier Zutritt und Aufnahme finden soll.
  • Die alten Statuten sollen revidiert und den neuen Verhältnissen angepasst werden.

Alle drei Anträge fanden lebhafte Zustimmung. In der gleichen Versammlung wurde, da Präsident Schaub schon nach einjähriger Amtsdauer demissionierte, wiederum Fw. Hunziker zum Präsidenten erkoren, womit eine segensreiche Entwicklung für den Verein begann. In der Folge wurde der Vorstand erweitert. Als erster Inhaber der Charge eines Statthalters (Vize- Präsident) amtete Kpl. Nabholz, als zweiter Sekretär Sgt. Schenkel. Ferner wurden Präsident und erster Sekretär von der monatlichen Umlage befreit. Die Sitzung vom 11. Januar 1862 behandelte ein Gesuch um einen Beitrag an das Winkelried-Denkmal in Stans. In der Folge leistete der Verein einen Beitrag von Fr. 130.-- daran. In der ausserordentlichen Sitzung vom 1. März 1862 wurden die neuen Statuten durchberaten, welche dann in jener vom 29. März an die Mitglieder ausgehändigt wurden. Hatte sie bislang der Sekretär jeweils bei Bedarf handschriftlich ausgefertigt, so liess man sie diesmal im Buchdruck erstellen. Der Mitgliederbestand betrug bis zu diesem Zeitpunkt 84 Mann. Nachdem in mehreren Sitzungen in der ersten Hälfte des Jahres 1862 über die Weihe der neuen Fahne eifrig diskutiert worden war, fand die Festlichkeit am 10. August desselben Jahres statt. Morgens halb 9 Uhr versammelte sich der gesamte Verein im Rondell auf dem Petersplatz, von wo aus er, das Musikkorps an der Spitze, um 9 Uhr nach dem Werkhof marschierte. Dort hatten vor einem reich geschmückten «Altar» die Donatoren, die Herren Major Müller-Hauser, Hptm. Barth und Hptm. Sandreuter, sowie die eingeladenen Offiziere Aufstellung genommen. Es folgte die Weihe und Übergabe der Fahne an den Fähnrich. Das Bankett fand in Liestal(!) statt, wo das Fest in ungetrübter Heiterkeit seinen Abschluss fand. (Den Ereignissen vorgreifend: Eine Ironie des Schicksals wollte es, dass diese Fahne in den 90er Jahren bei einem Brand im heutigen Vereinslokal am Spalenberg leider vernichtet wurde).

Im Sommer 1862 wechselte der Pompierverein wegen Differenzen mit dem Wirte plötzlich sein Vereinslokal, und siedelte in das Gasthaus zur Blume (heute Börse) über. In der Jahressitzung vom 13. Dezember 1862 wurde von der Versammlung ein für heutige Verhältnisse merkwürdiger Beschluss gefasst und in die Statuten aufgenommen. Wörtlich heisst es: Offiziere, die dem Verein beitreten, sollen als Ehrenmitglieder betrachtet werden und sind keiner Strafe bei Nichterscheinen in einer obligatorischen Sitzung unterworfen. Sie haben sich jedoch den jeweiligen Beschlüssen des Vereins zu unterziehen. (Aus den Aufzeichnungen ist allerdings ersichtlich, dass es damals in allen militärischen Vereinen der Brauch war, Offiziere als Ehrenmitglieder zu betrachten.) Im Dezember 1862 wurde eine Gesang- Sektion gegründet, die in der Januarsitzung 1863 ihre Sanktion erhielt. In der Sitzung vom 25. April 1863 teilte der Leiter der Sektion mit, dass zum Gesellschaftsabend jedes Mitglied dazu «Frauenzimmer» einführen könne. (Aha, die Frauen-Emanzipation fängt an, sich durchzusetzen.) In der Aufzeichnung der Chronisten findet man immer wieder, dass der Verein auch an die materielle Unterstützung seiner Mitglieder dachte. Im Protokoll der Jahressitzung vom 12. Dezember 1863 ist folgendes zu lesen: In Anbetracht der unglücklichen Lage des ehemaligen Sergeanten und Mitglied des Vereins B. ist demselben eine kleine Beihilfe zu gewähren. Es wird einstimmig der Beschluss gefasst, dem Lehrer Fritz Faesch für die bedürftige Familie fünfzig Franken zu übergeben. Dieser verabfolgte diese Summe nach und nach für den notwendigen Haushaltbedarf.

Trauern um verdiente Kameraden

Das Jahr 1864 brachte dem Verein einen herben Verlust: Sein uneigennütziger Freund und Gönner, Kommandant Major Müller-Hauser starb, tief betrauert von allen, die ihn kannten. Der Verein, das Pompierkorps und die Musik erwiesen ihm die letzte Ehrenbezeugungen in grosser Uniform. Die Trauerfeier fand am 4. April abends 5 Uhr, zu St. Peter statt. Pfr. Miville hielt die Abdankung. Der Verstorbene hatte ein Alter von 56 Jahren und 10 Monaten erreicht. Zu seinem Nachfolger rückte nun Hptm. Barth auf, der noch im selben Jahr zum Major befördert wurde. Im Juli 1864 feiert der Pompierverein sein 10-jähriges Jubiläum mit einem Ausflug nach Liestal, wo im Gasthof zum Falken bei einem Bankett zu 31⁄2 Franken (inkl. einer Flasche Wein) der Anlass gebührend gefeiert wurde. Unter den Ehrengästen findet man Herr Major Barth, Hptm. Sandreuter und den Gründer des Vereins Ferdinand Duthaler, der nun anscheinend nach Leipzig übergesiedelt war. Im selben Monat noch demissionierte Präsident Rud. Hunziker, da ihm seine Verhältnisse nicht mehr erlaubten, weiterhin im Vorstand mitzuwirken. Im August wurde als sein Nachfolger Sgt. Waldner J. H. zum Präsidenten gewählt, welcher aber schon in der Hauptversammlung vom Dezember 1864 von Four. Schetty Josef abgelöst wurde. Im Januar 1865 findet man, dass man die Versammlungen nicht mehr so ungestört in der «Blume» abhalten könne, und reumütig zieht man wieder zu Papa Jehl auf den Markt zurück.

Im März gleichen Jahres stirbt der verdiente ehemalige Präsident Lt. Hunziker Rudolf, was den Verein veranlasst, die schon vorgesehene Abendunterhaltung zu sistieren. Aber auch Zwist gibt es im Verein, denn im Juli 1865 verzichtet Präsident Schetty Meinungsverschiedenheiten wegen plötzlich auf sein Amt. Sein Nachfolger wird Fw. Hindenlang Emil. Strenger Wechsel setzt in der Vereinsleitung ein, so dass man den Eindruck bekommt, dass es in diesen Jahren eher etwas abwärts ging. An einer Versammlung wird von Frater (Sanitäter) Widmann die Frage gestellt, ob es denn keine Mittel und Wege gebe, um dem Verein mehr Leben und Zusammenhalt beizubringen. Beides scheint man gefunden zu haben, denn Hptm. Sandreuter stiftete dem Verein einen Pokal und Präsident Hindenlang einige Flaschen Wein zum Verschwellen desselben. Auch wurde beschlossen, ein Dankschreiben mit einem Trinkgeld an den Arbeiter, welcher den Pokal anfertigte, zu übermitteln. Es ist der so genannte Helm, welcher sich heute noch in unserm Besitze befindet. Hpt. Sandreuter betrieb eine Kupferschmiede oder Feinspenglerei. In der Sitzung vom 26. Januar 1867 wird in Bezug auf das Auffinden und Öffnen der Hydranten bei Schneefall und Eisbildung beschlossen, einer Petition von Herrn Major Barth folgenden Passus anzuschliessen: «Die löbliche Löschdirektion möchte die betr. Hausbesitzer, in deren Nähe sich Hydranten befinden, ersuchen, dieselben bei grösserem Schneefall oder Kälte dann und wann zu reinigen.» In der Sitzung vom 25. Juni 1870, also drei Jahre später, musste der Präsident des Vereins eine Anfrage, ob je etwas in dieser Sache gegangen sei, mit «Nein» beantworten. Allerlei Anliegen gelangen an den Verein. Als richtiger Gemütsathlet begehrt das frühere Mitglied Kpl. Christ eine Unterstützung zu seiner Auswanderung nach Amerika, was natürlich abgelehnt wurde. In der Jahresversammlung vom 14. Dezember 1867 trat Präsident Hindenlang zurück. An seine Stelle wurde Sap. Bäumlin Josef gewählt. In der Versammlung vom 29. Dezember 1867 wird die Abhaltung eines Pompierballs beschlossen. Der Wortführer hob hervor, dass man auch die Frauen und Töchter berücksichtigen müsse und sie für ihre Unruh, die ihnen durch die vielen Brände verursacht werden, zu entschädigen. (Hier lässt sich zwischen den Zeilen lesen, dass die Pompiers recht oft aufgeboten wurden.)

Eine turbulente Zeit

In der Vereinssitzung vom 30. Mai 1868 scheint man einen sehr interessanten Diskussionsstoff zu haben. Der Präsident liest nämlich aus dem «Landschäftler » einen Artikel vor, wonach dem Liestaler Pompierkorps auf Grund interner Streitigkeiten seitens der Regierung die Auflösung angedroht ist. In der gleichen Sitzung wird auch der diesjährige Frühlingsausflug besprochen. Aus der Versammlung fällt der Vorschlag, man solle den Weg über Schauenburg und Frenkendorf nach Liestal nehmen, erstens aus politischen Erwägungen und zweitens, um die dortigen Kameraden zu erneuter Eintracht zu ermuntern. Ein weiterer Vorschlag regt einen Ausflug nach Kirchen (Baden) an, da kaum Aussicht bestände, in Liestal etwas zu erreichen. Mit grossem Mehr wird diesem Antrag zugestimmt. Am 25. Juli 1868 wurde die Frage aufgeworfen, ob es nicht an der Zeit sei, die in der Schweiz bestehenden Pompiers- und Feuerwehrvereine zu einem «Schweizerischen Feuerwehrverein» zusammenzufassen. Das bevorstehende Pompierfest in Herisau bot eine günstige Gelegenheit hierzu. Nach den fixierten Richtlinien stellte man sich damals eine Organisation vor, die der «Schweizerische Feuerwehrverein» heute tatsächlich ist.In der Jahressitzung vom 12. Dezember 1868 wurde der Vorstand (die Kommission) neu bestellt wie folgt:

 

Präsident
Lt. Rapp Joachim
Statthalter
Sgt. Waldner J. H.
Sekretär
Iberg D.
Beisitzer
Sergeant Käser
 
Sergeant Rohr
 
Meyrinund
 
Frater (Sanitäter) Widmann

 

In der Sitzung vom 26. Dezember 1868 sollte eine Statutenänderung vorgenommen werden. Da aber weniger als die Hälfte der Mitglieder anwesend war, musste nach § 7 dieses Traktandum verschoben werden. Der 26. Juni 1869 scheint ein heisser Tag gewesen zu sein; nachdem das Protokoll angegriffen, aber schliesslich doch genehmigt wurde, kam die Abhaltung von Versammlungen zur Sprache. Der eine wünschte sie nur alle zwei Monate, der andere alle vierzehn Tage, ein dritter wollte sie jeden Samstag und ein vierter jeden Montagabend abgehalten wissen. Was beschlossen wurde, ist aber nirgends ersichtlich. (Viele Köpfe, viele Sinne!) Gelegentlich eines Ausfluges nach der Schauenburg überraschte Fw. Hindenlang den Verein mit einem prächtigen Geschenk: ein sehr schönes silberbeschlagenes Trinkhorn mit der Inschrift «Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr». Der Präsident nahm es in Empfang und versicherte dem Donator des herzlichsten Dankes des Vereins, in dessen Besitz es sich heute noch befindet. Im Jahre 1871 beschloss der Verein eine Beitragsleistung von Fr. 80.-- an das St. Jakobsdenkmal. An der Einweihungsfeier am 26. August 1872 beteiligte er sich mit 35 Mann. Im Jahre 1872 wurde der «Schweizerische Feuerwehrverein » gegründet. Man wird sich daran erinnern, dass schon in der Sitzung vom 25. Juli 1868 die Frage um denselben aufgeworfen und eifrig befürwortet wurde. Mit der Gründung desselben beginnt es sich in Basel zu regen: das veraltete Exerzier-Reglement wird von Grund auf der neuen Zeit angepasst. Turnstunden im Bischofshof und Feuerwehrübungen werden als obligatorisch erklärt und durchgeführt. Belehrende Vorträge werden gehalten, u.a. von Major Schetty, Hptm. Wassermann und Lt. Fechter. Auch das gesellschaftliche Leben vollzog sich in lebhaften Bahnen. Die Devise lautete bis anhin «immer gemütlich und fidel, und die Weiber zuhause lassen». Das letztere Prinzip änderte sich zwar am 20. September 1872 da wurde ein Ausflug mit Nachtessen nach Muttenz zum ersten Mal mit den Damen ausgeführt, oder -- wie sich der Chronist ausdrückt -- mit den Frauenzimmern. Vielleicht ganz gegen die Erwartung hat man keine schlechten Erfahrungen damit gemacht, ist doch dieser Modus bis auf den heutigen Tag beibehalten worden.

An der Jahresversammlung vom 14. Dezember 1872 werden erstmals die Herren Merian und Uelinger als Kassenrevisoren gewählt, was die beiden aber nicht hinderte, gleichzeitig im Vorstand als Beisitzer zu amten. (O tempora, o mores!) Am 25. Januar 1873 wurde in der Versammlung der Antrag gestellt, auch Angehörige des Sicherheitskorps als Mitglieder mit den gleichen Rechten wie die vom Löschkorps aufzunehmen und den Kameraden Fridolin Dietschy vom Sicherheitskorps (Bewachungsmannschaft) als gleich berechtigtes Mitglied aufzunehmen, dem zugestimmt wurde. (Die Angehörigen des Sicherheitskorps, die so genannten Pechkappen -- sie trugen schwarze Lederhelme -- wurden, so lange dieses Korps bestand, von den Leuten des Löschkorps, insbesondere der Retter, nie als vollwertige Feuerwehrleute taxiert.) Im März 1873 trifft das Löschkorps und den Verein wieder ein schwerer Schlag durch den Tod seines langjährigen Mitgliedes und Gönners Herrn Major Barth. Man scheint im Korps und im Verein mit dem Kandidaten, welchen die Regierung als Nachfolger des Verstorbenen in Vorschlag bringen wollte, nicht einverstanden zu sein und setzt sich in einer Protestversammlung lebhaft für den bisherigen Stellvertreter, Herrn Hptm. Schetty, ein. Diese Aktion war anscheinend von keinem Erfolg gekrönt, denn an einem Ausflug nach Liestal, wird in der Chronik berichtet, nahmen der Präsident der Löschdirektion sowie der Herr Oberst Lotz mit den Offizieren daran teil. Und merkwürdigerweise trifft man 1875 neben dem Obersten auch den Major Schetty. Später ist aber immer nur noch von letzterem die Rede, woraus zu schliessen ist, dass dieser doch der Kommandant war.

Am 28. Juni 1873 übernimmt der Verein, vertreten durch sein Mitglied Hieronimus David, die Patenschaft für einen Sohn des Kameraden Rufer. Für den «Einbund» werden Fr. 30.-- bewilligt. (Ein Glückwunschakt ist im Protokollbuch noch im Original aufbewahrt.) Am 25. Oktober 1873 wird erneut der Antrag gestellt, es seien die Hauseigentümer zu verpflichten, die Hydranten bei ihren Häusern von Schnee und Eis freizuhalten. Am 28. März wird beschlossen, wieder eine Gesangssektion erstehen zu lassen «für die Gesangslustigen, die übrigen mögen sich dem Blechmusikverein anschliessen». Diese Gesangssektion bestand mehrere Jahre, um dann in einen Dornröschenschlaf zu fallen. Als sie wieder daraus erwachte, blühte sie so sehr auf, dass sich der seinerzeitige Präsident Waldner veranlasst sah, energisch gegen diesen Verein im Verein loszuziehen. An dem Frühlingsausflug Mitte Juni 1875 über Säckingen nach Mumpf beteiligten sich 74 Mitglieder und 64 Gäste. Es scheint nicht alles nach Wunsch gegangen zu sein, denn der Chronist schreibt: Über den Verlauf des Essens wollen wir einen langen Gedankenstrich ziehen.

In der Sitzung vom 24. Februar 1877 wird über Unzulänglichkeiten bei einem Brand in der Freien Strasse diskutiert. Ltn. Sigg freut sich über die Diskussion und stellt fest, dass hier der richtige Ort sei, um über solche Sachen zu reden. Es werden allerlei Übelstände festgestellt und unter anderem erzählt Kamerad Ackermann, dass ein Pompier, der im Hause postiert worden sei, seine Lanze einfach abgelegt habe und davongelaufen sei(!). Leider hätte er aber dessen Namen nicht feststellen können. Alljährlich beteiligte man sich brav am 26. August am St. Jakobsfest; einzig am 22. August 1877 wurde dieserhalb eine ausserordentliche Sitzung einberufen. Im Protokoll dieser Sitzung ist wörtlich folgendes zu lesen: «... Es wurden deshalb verschiedene Gründe geltend gemacht, an der diesjährigen St. Jakobsfeier von Seiten des Pompiervereins nicht teilzunehmen, indem die grösste Mitgliederzahl dieses Vereins weitaus andern Nationalitäten angehört, während die schweizerischen Angehörigen Gelegenheit genug haben, sich diesem oder jenem Verein anzuschliessen.» In früheren Zeiten rekrutierte sich das Löschkorps zu einem grossen Teil aus ehemaligen deutschen Soldaten, und es hatte sich der Brauch eingelebt, dass diese nach 25-jähriger Dienstzeit bei der Feuerwehr das Bürgerrecht geschenkt bekamen. An der Jahresversammlung 1878 scheint die Gleichgültigkeit der Vereinsmitglieder den Versammlungen gegenüber den Höhepunkt erreicht zu haben. Von 70 Mitgliedern sind ganze 29 anwesend, was den neu gewählten Vizepräsidenten Brand zu geharnischten Bemerkungen veranlasst.

Ein neues Jahrzehnt beginnt

An der Jahresversammlung vom 19. Dezember 1880 wird Lt. Matzinger J., zum Präsidenten gewählt, was dem Verein zum Segen gereichte. Wie ein ruhender Pol leitete diese hervorragende Persönlichkeit mit Geschick und Umsicht den Verein während 10 Jahren. Eine schwere Krankheit zwang ihn dann, als Präsident und gleichzeitig den Dienst beim Korps zu quittieren. In der Versammlung vom 26. März 1881 wurde beschlossen, die Feuerversicherung über die Vereinsutensilien «gleich auf 5 Jahre» abzuschliessen. In der gleichen Sitzung bemängelt Hptm. Schmassmann die Disziplin bei Brandfällen, nachdem Wachtmeister Neugebauer den Unteroffizieren mehr Ruhe und Ordnung anempfohlen hatte. Im Winter 1881 stirbt der verdiente frühere Präsident Fw. Hindenlang. In einem Vortrag von Lt. Horner wird die Anschaffung des Feuertelegraphen (auf dem Münsterturm) aktuell. «Sinnige» Namen gab es damals noch für Wirtschaften. Es wird z.B. berichtet, dass ausnahmsweise, mit Rücksicht auf die Biertrinker, die Versammlung im Cafe Bismarck (es befand sich an der Weissen Gasse) abgehalten wird. Am 15. Januar 1882 besuchte der Pompierverein vollzählig das Stadt-Theater, um das Innere und die Vorkehren für eine wirksame Brandbekämpfung kennen zu lernen. Am 11. Februar 1882 besuchte der Verein das Etablissement des Herrn Major Schetty zur Besichtigung des künstlichen Regens welcher sich bei einem Brande automatisch auslösen soll. Als Clou sah man die erste elektrische Beleuchtung auf dem Platze Basel. Sie wurde mittels eines Generators mit Gasmotorantrieb erzeugt.

Am 1. April 1882 wird in Basel die ständige Feuerwehrwache eingeführt. Postenchef wird Wachtmeister Peters, derzeit Kassier des Pompiervereins. Sechs Mann sind ihm beigegeben. In der Vereinssitzung vom 1. Juli 1882 demonstrierte Präsident Matzinger zwei Hydrantentafeln, welche mit einer Farbe bestrichen waren, die in der Dunkelheit leuchten solle, nachdem sie während des Tages das Licht akkumuliert habe. (Die Farbe sei aus Meeresmuscheln hergestellt gewesen.) Der Versuch scheint aber nicht zur voller Zufriedenheit ausgefallen zu sein, da man schlauerweise vorher die Tafeln in einem verschlossenen Kistchen aufbewahrt hatte und nach kurzer Gaslichtbeleuchtung glaubte, sie in ihrer Leuchtwirkung sehen zu können. Im Juli 1882 nimmt der Verein an einem Feuerwehrfest in Freiburg i. B. teil, zu dessen Korps heute noch lebhafte Freundesbande bestehen. Zur selben Zeit wurde beim Feuerwehrkorps etwas Neues angeschafft: das erste Sprungtuch. Dasselbe hat seinen definitiven Aufenthalt im Wachtlokal des Stadt-Theaters gefunden.

Am 29. Juli wurde beschlossen, wieder an der St. Jakobsfeier teilzunehmen, nachdem man dies aus verschiedenen Gründen mehrere Jahre unterlassen hatte. (Offenbar hatte sich inzwischen das Schweizerkontingent wieder erhöht.) Die Beteiligung war aber ganz minim: beim Abmarsch vom Café Jehl waren es mit dem Fähnrich ganze vier Mann. Je montags den 2. und 9. Juli 1883, abends 8 Uhr, versammelten sich auf dem Münsterturm eine Anzahl Mitglieder des Pompiervereins, um die auf dem St. Georgsturm befindlichen Instrumente zur örtlichen Bestimmung eines Brandes zu besichtigen. Der Apparat besteht aus einem Fernrohr, an welchem ein Gradmesser angebracht ist, dessen Zahlen mit denen im Nachschlagebuch korrespondieren. Im Buche selbst steht die betreffende Strasse oder doch zum mindesten die ungefähre Richtung des Brandes mit grosser Genauigkeit verzeichnet. Sobald man die Brandstelle anhand dieses Instruments ermittelt hat, telegraphiert die Hochwacht sofort der auf der Brodlaube stationierten Mannschaft, so dass augenblicklich die geeigneten Massregeln ergriffen werden können. Die zwei Mann Wache auf dem Münsterturm würden durch eine Kontrolluhr, die sich auf der Terrasse befand und die sie viertelstündlich aufziehen mussten, kontrolliert.

Eine neue Fahne

An der Monatssitzung vom 30. Juni 1883 wurde von der Versammlung beschlossen, eine neue rote, goldbestickte Vereinsfahne (unsere alte) anzuschaffen. Im gleichen Jahr tritt der verdiente Kommandant des Feuerwehrkorps, Major Schetty, zurück. Er wird durch Herrn Oberst Frey Rudolf ersetzt. Zur selben Zeit wird Ehrenmitglied Waldner, Schuhmachermeister an der Schneidergasse, der dem Verein viele Jahre als Vorstandsmitglied und Präsident diente, ins bessere Jenseits abgerufen, und in Ehren, kameradschaftlich bestattet. An der St. Jakobsfeier 1883 beteiligte sich der Pompierverein mit 60 Mann am Umzug. Als dann nachher ein Zirkular an den Verein kam, worin das St. Jakobs-Festkomitee um einen Beitrag an das Defizit des Festes ersuchte, nahm der damalige Säckelmeister Hatt den altbaslerischen Standpunkt ein me git nyt. Nach langem Hin und Her wurden schliesslich grosszügig drei Franken bewilligt. (!) Zu Ende 1883 verzeigt der Mitgliederbestand 109 Mann.

Unter Lt. Matzingers Präsidentschaft wurde bei der 30-jährigen Jubiläumsfeier des Pompiervereins am 15. März 1884 die neue Fahne geweiht. Der Chronist überliefert uns hierüber folgendes: Programmgemäss versammelten sich die Mitglieder des Vereins sowie diejenigen Kameraden, welche dem Verein nicht angehören, aber unserer Einladung Folge leisteten, abends um 7 Uhr im Vereinslokal «Jehl». Alsobald erschien auch die Musik und leitete die Feier mit einem flotten Musikstück ein. Diesem folgte ein Gesangsvortrag der Gesangssektion der 4. Kompanie. Hierauf ergriff Präsident Lt. Matzinger das Wort. In einem Rückblick auf die verflossenen Vereinsjahre erinnerte er an den 10. August 1862, den Tag, da die alte Fahne ihre Weihe erhielt. Einer ihrer Stifter, der Kommandant Herr Major Müller- Hauser sel., hatte sie dem Verein mit den Worten übergeben: «Es ist die erste Feuerwehrfahne der Schweiz, mögen bald mehrere solche folgen». Heute verabschiedet sich der Präsident von ihr, resp. er entlässt sie in den Ruhestand: «Nicht in die Rumpelkammer wandern soll das altehrwürdige Zeichen unserer Zusammengehörigkeit, nein, die alte Fahne soll noch lange Zeit bei festlichen Anlässen zu Ehren gezogen werden und Zeuge davon sein, wie der Wunsch des genannten verstorbenen Kommandanten in Erfüllung gegangen sei, dass sich jetzt ein Band um den grössten Teil der vaterländischen Feuerwehren schlingt (Schweiz. Feuerwehrverein), ein Band, das sie zusammenhält im Notfall durch Unterstützung, in der Ausbildung durch gemeinschaftliche Schulung, sowie bei freudigen Anlässen.» Hierauf wurde die neue Fahne dem Präsidenten überreicht, der sie unter feierlicher Musikbegleitung entfaltete und dem Ehrenfähnrich, Wm. Neugebauer, übergab mit der Mahnung, stets ein gedenk zu sein und zu halten, was auf dem neuen Banner eingestickt ist: «Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr». Wer ihm in diesem Sinne dienen wolle, der möge den Helm in die Linke nehmen, die Rechte erheben und sagen «das walte Gott». Feierlich und freudigen Herzens stieg das Gelübde zur Höhe, die Anhänglichkeit zur Fahne und zum Korps bestätigend. Wm. Neugebauer nahm sichtlich gerührt mit kurzen und schönen Worten die Fahne zuhanden des Vereins in Empfang. Der allgemeine Kantus «Brüder reicht die Hand zum Bunde» beschloss diesen Akt. Nunmehr formierte sich ein Fackelzug und mit der alten und der neuen Fahne zog man mit klingendem Spiel durch die Freie Strasse dem Stadtkasino zu, wo die weiteren Feierlichkeiten stattfanden. Diese wurden auch nicht durch die kleinste Misshelligkeit getrübt. Unterwegs kam man am Hause der Jungfrau Erlacher, der Schöpferin des neuen schmucken Banners, vorbei. Ein dreifaches Hoch konnte sie von der Tatsache überzeugen, dass ihr Werk eine ungeteilte Zufriedenheit gefunden hatte.

Ausbildung ist angesagt

Aus dem Protokoll einer Versammlung im September 1884 entnimmt man, dass dagegen opponiert wird, dass das Besuchen von Feuerwehrfesten nur ein Privilegium von Offizieren und Unteroffizieren sei. Nach langer Diskussion wird beschlossen, ein Gesuch beim Kommando einzureichen, damit in Zukunft auch Sappeure an solchen Veranstaltungen teilnehmen können. In der Jahresversammlung vom 20. Dezember 1884 wird der Vorstand aus folgenden Kameraden bestellt: Präsident J. Matzinger, Vizepräsident P. Neugebauer, Sekretär L. Meyer, Kassier H. Ringli, Beisitzer H. Kupferschmid C. Sperli und Th. Wolf. In derselben Sitzung musste auch die Lokalfrage wieder einmal geregelt werden, da das bisherige Lokal bei Jehl an den katholischen Lesezirkel vermietet wurde. Bei der Abstimmung schwang die Schuhmacherzunft obenaus. (Das alte Zunfthaus stand an der Freien Strasse Nr. 54.) Bei den zahlreichen Brandfällen schien nicht immer alles am Schnürchen gegangen zu sein, denn in den Versammlungen wurde nachher viel kritisiert betreffs Kopflosigkeit und mangelnder Ausbildung. In einer Versammlung im März 1885 werden einige beim Brande Birkhäuser vorgekommene Unregelmässigkeiten (rechte) Insubordinationen gerügt und nach Mitteln gesucht, solche unliebsame Vorkommnisse zu verhindern. Von der Versammlung wurde dann beschlossen, dass an das Feuerwehrkommando eine Eingabe zu richten sei, in welcher der Vorschlag gemacht wird, es seien die früheren freiwilligen Übungen im Schosse des Pompiervereins wieder aufzunehmen, welchem Wunsche dann auch entsprochen wurde. Aber man kannte anscheinend nicht nur den Dienst, sondern auch die Geselligkeit. Diese gipfelte sich gewöhnlich im so genannten Dezemberessen, eine Angelegenheit, die strikte «ohne Frauenzimmer» durchgeführt, dafür aber von der Vereinskasse bezahlt wurde.

Ein solcher Anlass sollte nun wieder am 12. Dezember 1885 in der Schuhmacherzunft stattfinden. Man hatte folgende kulinarische Genüsse (laut noch vorhandenem Menü) zusammengestellt: Reis- und Gemüsesuppe, Rindsbraten mit Maccaroni, dann der Clou: Kalbsbraten mit Häringsalat (!), Hasenpfeffer mit Kartoffelstock, dazu einen halben Liter Wein pro Nase. Und dies alles für zwei Franken. Dagegen lässt sich heute gewiss nichts einwenden. Vorsichtshalber vermerkt aber auf dem Menü eine Fussnote: «Durstige Seelen haben für den Bedarf von weitern halben und ganzen Litern selbst aufzukommen.» Nun es versammelten sich an diesem Samstag zirka 70 Mann zum löblichen Tun in der Schuhmachern, als plötzlich Feueralarm gegeben wurde. An der Schneidergasse brannte es, doch erwies sich die Sache nicht so schlimm, denn der Chronist vermeldet, dass der vorzügliche Durst und Appetit doch noch, wenn auch mit zweistündiger Verspätung, «gelöscht» werden konnten. Der Jahresbericht 1885 stellt fest, dass der Pompierverein seinen Zielen, durch sachliche Vorträge den Feuerwehrmann theoretisch weiterzubilden und durch geselliges Beisammensein die Kameradschaft zu stärken und zu pflegen, nachgekommen ist. Der Mitgliederbestand hat 115 Mann erreicht.

An das Eidg. Turnfest in Basel 1886 stiftet der Pompierverein eine Gabe im Werte von Fr. 40.--. Im September 1886 halfen die Basier beim Löschen eines grossen Brandes in Haltingen. Der Protokollführer des Vereins vermerkt, dass dort die Verpflegung gut, die Rechnung hierfür aber noch besser gewesen sei. (!) Er rühmt hingegen die Gemeinde Gross-Hüningen, die bei einem Brande alles aufbot, sich den helfenden Baslern erkenntlich zu zeigen. Ende 1887 hat sich der Mitgliederbestand auf 102 Mann gesenkt. 1988 wird die Verabfolgung von Diplomen an die neueintretenden Mitglieder beschlossen. Im Oktober 1888 muss der langjährige und beliebte Präsident, Oblt. Matzinger, krankheitshalber seine Stellung als Oberleutnant der III. Feuerwehrkompanie niederlegen. Letztere beschenkt ihn mit einer goldenen Uhr, während der Pompierverein eine goldene Kette dazu stiftet und ihm noch ein Ehrendiplom ausfertigt. (Es sei hier vorausbemerkt, dass er dem Pompierverein noch manches Jahr seine wohlwollende Aufmerksamkeit bewies.) Am 2. Juni 1889 vereinigte der Frühlingsausflug nach Moutier via Choindez 102 Teilnehmer. Zuerst wurden die Eisenwerke von Choindez besichtigt, hernach die Glashütten von Moutier. Der Tag verlief in eitel Lust und Wonne. Im 40. Vereinsjahr 1893/94 wird die Drucklegung des Jahresberichtes beschlossen. Zum Besuch des St. Jakobsfestes wird beschlossen, beide sich im Inventar befindlichen Vereinsfahnen mitzunehmen. Ende 1895, der Mitgliederbestand verzeigt 105 Mann. Es wird eine Vereinsphotographie angefertigt, ein Bild kostet Fr. 4.70. Die Einrahmung des grossen Bildes wird einem Vereinskameraden übertragen. Der Pompierverein Basel beteiligt sich am 31.Juli 1898 am 4. Badischen Feuerwehrtag in Lörrach. Im Dezember 1901 werden die Statuten wieder einmal als revisionsbedürftig erklärt. Am 19. März 1904 feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Das wohlvorbereitete Festbankett wickelte sich im vollbesetzten Zunftsaal zu Safran unter der Leitung des Ehrenpräsidenten J. Matzinger ab. Auch die Damen (nicht mehr die «Frauenzimmer») der Mitglieder und Gäste waren in ihren schönsten Toiletten erschienen. Der Ehrenpräsident fand in seiner Ansprache ernste und launige Worte. Er gedachte der Vereinsgründer und aller jener Männer, die das Vereinsschifflein mit starker Hand und umsichtig durch die Fährnisse der Zeiten gelenkt haben. Es galt nicht nur, den Frühlingsausflug und die sonstigen Vereinsanlässe zu feiern, es wurde auch viel positive Arbeit geleistet in der Ausbildung des Feuerwehrmannes. Und so manchesmal trat der Verein bei unverschuldeter Not eines Mitgliedes auf den Plan, wie er auch bei Werken für die Allgemeinheit stets eine offene Hand hatte. Der beliebte und unverwüstliche Sprecher erlebte eine Ovation, wie er sie wohl in seinen kühnsten Träumen nie erwartet hätte. «Die Damen» der Mitglieder stifteten einen Silberpokal und die Unteroffiziere der III. Kompanie einen Becher. Die ganze Feier nahm den schönsten Verlauf und der Nachfolgende Ball hielt die Teilnehmer noch bis in die Morgenfrühe in fröhlicher Stimmung beisammen.

Der erste Weltkrieg

Es folgen einige Jahre, in denen das Vereinsleben anscheinend in ruhigen Bahnen dahinfloss. Belehrende Vorträge und gesellige Anlässe folgten sich programmgemäss. Kassenbestand und Mitgliederzahl hoben und senkten sich und einmal -- anno 1912 -- schreibt der derzeitige Aktuar ins Protokoll: «Von der Teilnahme am St. Jakobsfest wurde dieses Jahr wegen dem flauen Eingang der Monatsbeiträge Umgang genommen». Ferner beklagt sich 1913 ein Mitglied über den «mangelhaften Humor», welcher in letzter Zeit bei den Frühlingsausflügen herrsche. Die Grenzbesetzung 1914 wirft seine Schatten auch auf das Vereinslebendes Pompiervereins: es muss auf eine 60-jährige Jubiläumsfeier verzichtet werden. Die Kriegszeit mit ihren Einschränkungen veranlasst 1917 den Frühlingsausflug nicht abzuhalten.

Beim Frühlingsspaziergang 1918 sind Brot- und Fettkarten mitzubringen. Ende Oktober 1918 zählte der Verein 78 Mitglieder. Die Vereinsgeschäfte wurden in 4 Kommissions- und 4 Vereinssitzungen erledigt. Im Juni 1920 beginnt etwas neues für das Protokollbuch: erstmals wird die Schreibmaschine zur Niederschrift des Protokolls benützt. 1922 sind die Statuten wieder revisionsbedürftig, was verschiedene längere Debatten auslöst bis sie erneuert sind. In der Vereinssitzung vom 27. Dezember 1923 wird beschlossen, wieder eine Gesangssektion zu gründen, aber sie muss sich bereits zwei Jahre später schwere Anwürfe bezüglich ihrer Leistungen gefallen lassen, worauf sie wieder aufgelöst wird.

Und schon wieder eine neue Fahne

In der Generalversammlung vom 17. Oktober 1925 wird beschlossen, auf das 75-jährige Vereinsjubiläum hin eine neue Vereinsfahne anzuschaffen. Am 19. Juni 1926 wurde der Antrag gestellt, der Verein solle auch Passivmitglieder aufnehmen. In der Versammlung vom 20. November gab der Präsident Th. Ackermann sen. die Bedingungen bekannt, unter welchen der Vorstand damit einverstanden sei. Damit wurde der Antrag zum Beschluss erhoben. Ab 1. Januar 1928 erscheinen die Mitteilungen des Vereins im «Allgemeinen Vereins-Anzeiger». 11. Februar 1928: Für die beschlossene neue Fahne sind eine Anzahl Entwürfe eingereicht worden. Der Entwurf 2 wird zur Ausführung gewählt. Autor desselben ist Fw. Acht August, Bildhauer, und stellt ein schwarzweiss geflammtes Banner dar mit dem goldenen Vereinsemblemen in der Mitte. Die Ausführungszeichnung stammt vom Heraldiker und Maler Leo Bleuel, Basel. Ausgeführt wurde die Arbeit in Applikationstechnik auf reiner Seide von der Firma Kurrer, Schädler & Cie. in St. Gallen und kam ohne Schaft und Beschläge auf Fr. 600.--. Löblich soll noch erwähnt werden, dass Spitze und Beschläge von den Kameraden der Feuerwache angefertigt und gestiftet wurden. Den Schaft aus zähem Eschenholz stiftete Kam. Ernst Ringli, Schreinermeister. Sein Vater erwies seinerzeit bei der alten roten Fahne dieselbe hochherzige Geste dem Verein gegenüber. Das Bandelier, die Stulpen und der Fähnrichschmuck wurde von den Frauen und Töchtern der Vereinsmitglieder gestiftet.

Am 18. März 1928 stattete der Pompierverein dem Sappeur-Pompierkorps in Leimen einen offiziellen Besuch ab. Das 75-jährigen Jubiläum des Pompiervereins rückt immer näher heran. In der Vereinssitzung vom 25. August 1928 gibt Präsident Franz Kaufmann die Vorschläge für die diversen Kommissionen bekannt. Der Jahresbericht 1928 vermerkt neben 7 Vereinsversammlungen und 10 Vorstandssitzungen nicht weniger als 12 gesellige Anlässe. Der 8. September 1929 ist einer der Ehrentage des Pompiervereins Basel: sein 75-jähriges Jubiläum kann er feiern. Es ist interessant zu beobachten, wie sich Zeit und Menschen geändert haben. Die ganze Basler Bevölkerung und die Regierung bezeugen dem Feste und seinen Veranstaltern ihre Sympathie. Das Ehrenpräsidium übernahm Herr Regierungsrat Dr. Im Hof, befreundete Feuerwehren aus den Nachbarstaaten, aus der Innerschweiz und von jenseits des Gotthards (Bellinzona) liessen es sich nicht nehmen, nach Basel zu kommen und mitzufeiern. Im Lützelhof, dem Standort der ständigen Feuerwache, herrschte ein Leben und Treiben, wie es die Basler sonst im Allgemeinen nur an der Mustermesse kennen. Die verschiedenen Kommissionen konnten mit dem Erfolg ihrer Arbeit restlos zufrieden sein. Programmgemäss verliefen der Aufmarsch, die Fahnenweihe, der Festzug, die Feuerwehrübungen und das gesamte Abendprogramm. Im Jahresbericht spricht der Vereinspräsident der hohen Regierung des Kantons Basel-Stadt seinen besondern Dank aus für ihr Entgegenkommen und speziell für die Ehrengabe im Betrag von Fr. 200.--.

23. Oktober 1929: Die Feuerwehr Bellinzona lädt den Pompierverein Basel anlässlich ihrer 100-jährigen Jubiläumsfeier zu einem Besuch ein. Es wird eine Delegation damit betraut, der Einladung Folge zu leisten und als Ehrengeschenk den Kameraden in Bellinzona eine Zinnkanne mit Widmung zu überbringen. Nach 52-jähriger Mitgliedschaft wird Fritz Haag anlässlich seines 80. Geburtstages, 27. Februar 1931 zum Ehrenpräsident auf Lebenszeit ernannt. Anlässlich einer Statutenberatung in der Generalversammlung vom 28. April 1933 stellt der amtierende Präsident Oblt. Paul Muchenberger den Antrag die Vereinsbezeichnung abzuändern in «Feuerwehr-Verein Basel-Stadt» da die Bezeichnung Pompierverein überlebt, und in der Innerschweiz kein Mensch wisse, was unter diesem Namen zu verstehen sei. Alt Präsident und Ehrenmitglied Franz Kaufmann möchte aber noch die Ergänzung «vormals Pompierverein» daran knüpfen, mit dem sich Präsident Muchenberger aber nicht befreunden kann. Für die neue Bezeichnung «Feuerwehr-Verein Basel-Stadt» kommt folgendes Abstimmungsresultat heraus: 16 Stimmen sind dafür, 10 dagegen bei 11 Enthaltungen. In der Folge wurde mit einem Kostenaufwand von Fr. 220.-- die Inschrift auf der neuen Vereinsfahne auf die neue Vereinsbezeichnung abgeändert. Das Jahr 1934 zählt 5 Vereinssitzungen, 9 Vorstandssitzungen, sowie eine grosse ausserdienstliche Übung in den Freibergen. Die Total-Mitgliederzahl betrug 136. Der Feuerwehr-Verein Basel-Stadt wurde zum Ehrenmitglied des Feuerwehr-Vereins Neu-Allschwil ernannt.

Vom zweiten Weltkrieg zum Jubiläum

Der grosse Achtungserfolg des Jahres 1935 war die am 19. und 20. Oktober durchgeführte praktische Übung im Rahmen einer Luftschutzübung in St. Jakob-Brüglingen (die erste solcher Übungen in der Schweiz). Mitwirkende waren der Artillerieverein, der Funkerverband und als angreifender Flieger Herr Zahnarzt Frech mit seinem Sportflugzeug. Zahlreiche Delegationen aus dem In- und Ausland, sowie ein nach Tausenden zählendes Publikum verfolgte mit Interesse die Arbeit der mit 102 Mann angetretenen Mitwirkenden. Das Feuerwehrkommando Basel und private Gönner des Vereins unterstützten denselben mit Übungsmaterial und Transportmitteln in zuvorkommender Weise.

Im März 1936 starb Ehrenpräsident Fritz Haag nach 57-jähriger Mitgliedschaft. Er bedachte den Verein mit einem Legat im Betrag von Fr. 1000.--, welche Summe ihm zu Ehren auf ein besonderes Bankkonto angelegt wurde. Die jährlichen Zinsen werden für Vereinsbedürfnisse verwendet. Am 19. Oktober 1936 zeichnete der Feuerwehrverein Basel-Stadt Fr. 500.-- für die Wehranleihe. In der Vereinsversammlung vom 20. Mai 1937 wird die Anfertigung eines neuen Vereinsabzeichens beschlossen, das für die Mitglieder obligatorisch erklärt wird.

Die Jahre 1937 und 1938 waren reich an Arbeit und Anlässen. Als bemerkenswertes Ereignis in den Annalen ist zu verzeichnen, dass die Generalversammlung vom 15. Januar 1938 den frühern Präsidenten und Ehrenmitglied Franz Kaufmann-Klay, für besondere Verdienste, insbesonders der Durchführung des 75-jährigen Jubiläums zum Ehrenrpäsidenten auf Lebzeiten ernannte. Eine Auszeichnung welche im Verlaufe von 100 Jahren bis dahin nur zweimal verliehen wurde. Aber noch eine andere Auszeichnung die der, Ehrenmitgliedschaft, konnte gleichzeitig an Herrn Regierungsrat F. Brechbühl für Verdienste im Löschwesen des Kantons Basel-Stadt verliehen werden.

Der neue Präsident, Four. Müller Walter, bemühte sich eifrig, den rückläufigen Mitgliederbestand abzustoppen und wieder zu äufnen. Wohl waren seine Bemühungen von etlichem Erfolg, aber schon im dritten Jahr seiner Amtswürde, im Jahre 1939 musste er sich der höheren Gewalt fügen. Der zweite Weltkrieg begann, und eine beträchtliche Anzahl der Vereinskameraden musste zu ihren Truppenteilen einrücken zum Schutz der Heimat. Der Krieg legte die Vereinstätigkeit gänzlich lahm und eine ganze Anzahl der vorgesehenen Anlässe mussten abgesagt werden. Doch ein Häuflein Unentwegter stand in jenen trüben Tagen dem Präsidenten getreu zur Seite und so gelang es, den Verein durch die Fährnisse des Krieges zu bringen.

Betrug 1937 die Mitgliederzahl 141 Mann, so waren es 1949 noch 80. Dies mochte den bewährten Präsidenten wohl bedrücken, aber nicht entmutigen. Seine 10-jährige Präsidentschaftsführung war ein einziges Bestreben, das Panier des Vereins hochzuhalten und den Erwartungen der Gründerkameraden Nachachtung zu verschaffen. Ihm sei hier an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen, welcher dem Genannten durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Feuerwehr-Vereins dokumentiert wurde. Im Mai 1938 wird beschlossen, an den Jubiläen der Feuerwehr Mülhausen und der Sappeur-Pompiers von Burgfelden teilzunehmen. Im Verlauf der Kriegszeit verlor der Verein etliche seiner alten Kämpen durch den Tod. Sie werden aber in der Vereinschronik in dankbarem Gedenken weiterleben.

Die Liste der Anlässe und Delegationen für das Jahr 1945 war wieder eine reichhaltige, wenn auch die Beteiligung des öftern zu wünschen übrig liess. Unter anderem feierte die Feuerwehr Basel ihr 100-jähriges Jubiläum, an dem auch der Verein teilnahm. Im Juli 1946 traf den Verein ein schwerer Verlust, indem sein verdienter Ehrenpräsident von einem heimtückischen Leiden plötzlich dahingerafft und in Bern bestattet wurde, wo der Verstorbene sich gerade bei seiner dort verheirateten Tochter aufhielt. Der Vorstand nahm mit der Fahne an dem Grabe von dem treuen Kameraden Abschied, welcher leider in den besten Mannesjahren verschied. Ehre seinem Andenken. Das Jahr 1948 brachte dem Verein einen neuen Präsidenten (den gegenwärtigen), eine junge, unverbrauchte Kraft, wie sich der abgehende Vereinsleiter ausdrückte. Und schon hat dieser, Wm. Höflin Erhard, Arbeit in Hülle und Fülle. Sein erstes ist, dass er dem fortgesetzten Sinken des Mitgliederbestandes Einhalt zu gebieten versucht. Er rügt auch mit ernsten Worten die laue Beteiligung bei den Vereinsanlässen. Solche Gleichgültigkeiten sind für die Vereinsleitung deprimierend. Sie gibt sich alle Mühe, den Statuten über den Zweck des Vereins nachzuleben, findet aber bei den Mitgliedern keine Unterstützung und die Anlässe weisen nur geringen Besuch auf.

Der Präsident gibt sich in seinen Jahresberichten der Hoffnung hin, dass all diese Unzukömmlichkeiten überwunden werden und dass der Mitgliederbestand wieder ansteigt. Es kann ja auch vorkommen, dass die Berufsfeuerwehr auf die Mithilfe der Feuerwehrleute in den Kompanien rechnen muss und dann müssen es Leute sein, die mit Liebe und Sachkenntnis den Feuerwehrdienst versehen. Dieser ist Dienst am Nächsten, Dienst an der Allgemeinheit, Dienst am Vaterland. Wenn diese Einsicht Platz greift, bessern sich die Zustände, die Mitgliederzahl steigt und der Verein gelangt zu neuer Blüte. Und wirklich -- unter Wachtmeister Höflins zielbewusster Leitung erblüht neues Leben aus den Ruinen. Nach den schlimmen Jahren des Krieges war eine Festigung und ein Ausbau des Vereins möglich -- sie wurden zum Bedürfnis. Erwähnt seien hier: die neu revidierten und den heutigen Verhältnissen besser angepassten Statuten; die Einführung der methodischen Kurse für Offiziere und Unteroffiziere im Schosse des Feuerwehrvereins. Die Beziehungen zum Kommando, zur Regierung und zum Offizierskorps sind die denkbar besten. Sehr viele aktive Offiziere, darunter fast alle Kompagniekommandanten, sind dem Verein wieder beigetreten. Seit einigen Jahren besteht eine Interessengemeinschaft der Feuerwehr- Vereine von Basel und Umgebung. Einer ihrer Gründer und erster Präsident ist unser allseits beliebter Kamerad Höflin, dem hier der gebührende Dank ausgesprochen sei mit dem Wunsche, dass er seine Kraft noch recht lange dem Verein zur Verfügung stellen möge. Zur Zeit der Jahrhundertfeier des Feuerwehr-Vereins ist die Vereinsleitung aus folgenden Mitgliedern zusammengesetzt:

 

Präsident
Erhard Höflin
Vizepräsident
Heinrich Kistler
Kassier
Otto Mundwyler
Materialverwalter
Alfred Gruber
Sekretär
Alwin Lips
Protokollführer
vakant
Beisitzer
Walter Müller
 
Alt-Präsident Hans Grether
 
Kurt Hiss

 

Die Jahre fliessen dahin im ewigen Rhythmus des Werdens und Vergehens. Hundert Jahre -- eine lange Zeitspanne im menschlichen Dasein, ein Stäubchen in der Ewigkeit. Hundert Jahre sind verflossen, seit der Feuerwehrverein Basel-Stadt gegründet wurde. Die Gründer sind längst dahingeschieden, aber ihr Werk lebt und gedeiht immer noch. Als der Chronist die alten Protokollbücher aufschlug, um längst vergessene Begebenheiten wieder ans Tageslicht zu ziehen, da standen sie wieder auf jene Männer und wurden lebendig vor seinem Geiste. Voran der Initiant zur Gründung des Vereins, Fw. Duthaler Ferdinand, der in der Folge vier Jahre lang die Präsidentschaft innehatte, dann seine Kameraden, die zwar nicht immer gleicher Meinung waren, aber schliesslich zum Gemeinwohl sich fügten. Die alten Frakturschriften, heute nicht mehr für jedermann lesbar, verraten allerlei Gegensätzliches, das Generationen hindurch immer wieder aufeinanderstiess. Aber die Ideen der Gründer siegten trotzdem, denn sie waren gut, und diese Erkenntnis fand stets Männer, die sie nach Kräften unterstützten. Denken wir z.B. nur an die Präsidenten Rudolf Hunziker, J.H. Waldner, J. J. Matzinger, Karl Mettauer, Heinrich Dobbertin, Ehrenpräsident Franz Kaufmann, Paul Muchenberger, dem die neuzeitliche Reorganisation des Vereins zu verdanken ist, Walter Müller und Erhard Höflin, sie alle, die toten und die noch lebenden, werden in den Annalen des Vereins in dankbarem Angedenken bleiben. Vergessen wir aber auch die Gönner nicht, die dem Verein immer wieder ihre Aufmerksamkeit erwiesen. Das erste Jahrhundert ist verflossen -- das zweite ist angebrochen. Auch fernerhin werden zielbewusste Männer das Erbe von den Vorfahren übernehmen und weiterführen, auf dass der Feuerwehrverein Basel-Stadt lebe, blühe und gedeihe!

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